
Trauer und KI – Eine Stellungnahme
Der Arbeitskreis Kinder- und Jugendtrauer hat sich im Rahmen seiner Sitzungen intensiv mit den Themen Trauer und KI auseinandergesetzt.
Da die Entwicklung und der Einsatz von KI auch im Themenfeld der Trauer rasant voranschreiten, ist es den Mitgliedern des Arbeitskreises ein Anliegen, einige Gedanken hierzu zu veröffentlichen.
Grundsätzlich sehen wir trauern als die individuelle Fähigkeit des Menschen auf einen bedeutenden Verlust an, die sich physisch, psychisch, sozial und spirituell äußern kann. Dabei sind Dauer und Intensität abhängig von der Art des Verlusts und der Persönlichkeit der trauernden Menschen.
Hieraus resultieren individuelle Bedarfe, und uns als Trauerbegleitenden ist es wichtig, die Bedürfnisse von trauernden Menschen wahr- und ernst zu nehmen, ihnen einen geschützten Rahmen für ihre Trauer anzubieten und sie auf ihrem Trauerweg individuell, bedingungslos und wertfrei zu begleiten.
Um Menschen professionell in ihrer Trauer begleiten zu können, bedarf es in unseren Augen einer fundierten Ausbildung in Trauerbegleitung nach anerkannten Standards (siehe beispielsweise Standards in der Trauerbegleiter:innenqualifikation des Bundesverband Trauerbegleitung) als auch eine Offenheit für und die regelmäßige Auseinandersetzung mit aktuellen Entwicklungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Diese Auseinandersetzung findet unter anderem in den halbjährlichen Sitzungen des AK Kinder- und Jugendtrauer statt und beinhaltet auch digitale Entwicklungen.
Da wir Risiken darin sehen, dass die momentanen Anbieter*innen von KI-gestützter Trauerarbeit wie Chatbots und Avatare gewinnorientiert arbeiten, stehen wir gerne mit unserer Expertise in Trauerarbeit zur Verfügung, wenn es darum geht, nicht-kommerzielle, trauerwissenschaftlich fundierte Alternativen auf diesem Sektor zu entwickeln.
Uns ist es wichtig, für trauernde Menschen, die zum Rückzug tendieren, immer wieder die Verbindung zwischen KI und Realität herzustellen. Dafür halten wir es für unabdingbar, dass trauernde Menschen reale Begegnungen mit anderen trauernden Menschen aber auch ihren An- und Zugehörigen haben, um die Gefahr der sozialen Vereinsamung und den Verlust eines Alltagsbezugs zu minimieren.
Außerdem wollen wir trauernden Menschen Alternativen zur KI-gestützten Trauerarbeit aufzeigen, wie wir sie seit vielen Jahren ohne Gewinnorientierung anbieten, nämlich in Einzeltrauerberatungen, Trauerbegleitungen, Trauerspaziergängen, Trauerwanderungen, Trauerpilgern, Trauercafés und Trauergruppen. Diese finden teilweise auch digital statt, um schwellenarme Zugänge zu ermöglichen.
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